Grabenlose Abflusssanierung

Was ist grabenloses Schlauchlining für Abflüsse? Verfahren & Materialien

Erfahren Sie, wie grabenloses Schlauchlining Rohre erneuert, Bögen passiert, wann Kurzliner wirtschaftlicher sind und wie die Reinigung abläuft.

Von Reliance Trenchless Technology5 Min. Lesezeit

Reliance Zweikomponenten-Epoxid- und Silikatharz-Set mit Glasfasermatten für die grabenlose Abflusssanierung.
Reliance Zweikomponenten-Epoxid- und Silikatharz-Set mit Glasfasermatten für die grabenlose Abflusssanierung.

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Das grabenlose Schlauchlining (Trenchless Drain Lining) ist ein zerstörungsfreies Verfahren zur unterirdischen Rohrrehabilitation, das beschädigte Abwasser- und Entwässerungsleitungen von innen heraus erneuert. Aufwändige Baggerarbeiten, die Vorgärten, Einfahrten oder Bodenbeläge zerstören, entfallen vollständig. Durch das Einbringen eines mit Reaktionsharz getränkten Textilschlauchs und dessen druckbeaufschlagte Aushärtung vor Ort entsteht ein nahtloses, statisch tragfähiges 'Rohr-im-Rohr'-System, das die Dichtheit wiederherstellt und Wurzeleinwuchs dauerhaft stoppt.

Für Entwässerungsbetriebe und Sanierungsfachbetriebe im Nennweitenbereich DN50 bis DN225 (2 bis 9 Zoll) liefert Reliance abgestimmte Sanierungswerkzeuge und Verbrauchsmaterialien. Unser Glasfaser-Harz-Reparatursystem bildet in Verbindung mit flexiblen, bogengängigen Reparaturpackern widerstandsfähige Kurzliner gemäß ASTM F1216, die eine kalkulierte Nutzungsdauer von über 50 Jahren bieten.

Video-Leitfaden: Erfahren Sie, wie durch grabenlose Schlauchlinersanierung ein neues Rohr im Altrohr entsteht, Bögen durchfahren werden und Vollverrohrung mit Kurzlinern verglichen wird.

Funktionsweise des Schlauchlinings: Inversion vs. Einzugsverfahren

Das grabenlose Lining basiert auf den ingenieurtechnischen Prinzipien des Cured-in-Place Pipe (CIPP). Anstatt defekte Ton-, Guss- oder PVC-Rohre auszugraben, nutzen Installateure vorhandene Revisionsschächte, Reinigungsöffnungen oder Fallstränge als Montagezugang.

Gemäß den Regelwerken von ASTM F1216 und der NASSCO Rohrrehabilitation kommen im Abflussbereich zwei Hauptverfahren zum Einsatz:

  1. Inversionsverfahren mit Druckluft oder Wasser: Ein mit Epoxid- oder Silikatharz getränkter Nadelfilz- oder Synthesefaserschlauch wird in eine Drucktrommel geladen. Druckluft oder eine Wassersäule stülpt den Schlauch von innen nach außen in das Altrohr um. Hierbei legt sich die harzgetränkte Schicht formschlüssig an die alte Rohrwandung an, während die glatte Innenfolie den künftigen Fließkanal bildet.

  2. Einzugsverfahren (Pull-in-Place, PIP): Der getränkte Schlauchverbund wird mittels Seilwinde von einem Kontrollschacht zum nächsten eingezogen. Ein innenliegender Kalibrierschlauch wird mit Druckluft (0,5 bis 1,5 bar) aufgeblasen, presst das Laminat an die Rohrwandung und hält den Druck bis zur vollständigen Aushärtung aufrecht.

Vergleich zwischen durchgehendem CIPP-Schlauchlining und partiellem Packer-Kurzliner im Abwasserbereich.
Durchgehendes CIPP vs. partieller Kurzliner: Kontinuierliche Inversion saniert 10–25 m Hausanschlussleitung (80–250 $/ft), während ein gezielter Packer-Kurzliner Einzelschäden in 60–120 Minuten dauerhaft abdichtet (600–1.400 $ pro Schadstelle).

Vollständiges Schlauchlining im Vergleich zum partiellem Kurzliner

Vor Beginn der Sanierung muss entschieden werden, ob die gesamte Leitungslänge oder lediglich eine punktuelle Schadstelle saniert werden soll:

Technischer ParameterDurchgehendes CIPP-SchlauchliningPartieller Packer-Kurzliner
Typische Sanierungslänge10 bis 25+ Meter (gesamte Hausanschlussleitung)1,0 bis 2,0 Meter (punktuelle Manschette)
ZugangsanforderungInversionstrommel an RevisionsöffnungBestehende Reinigungsöffnung oder Schacht
MaterialaufbauNadelfilz / Gewebeschlauch + HarzE-CR-Glasfasermatte multiaxial + Silikat-/Epoxidharz
Aushärtezeit2 bis 6 Stunden (Umgebung/Dampf/Heißwasser)60 bis 120 Minuten (Umgebungstemperatur)
ZulaufanbindungenÜberdeckt Abzweige; Fräsroboter erforderlichWird vor Abzweigen platziert; kein Fräsen nötig
Durchschnittliche Kosten3.000 – 8.000 $ (80–250 $/ft)600 – 1.400 $ pro Schadstelle
Idealer EinsatzbereichFlächendeckende Rissbildung, starker SäurefraßIsolierter Muffenversatz, Einzelschaden, Wurzeleinwuchs

Ergibt die optische TV-Inspektion lediglich einen einzelnen defekten Rohrstoß bei ansonsten intaktem Leitungsverlauf, ist ein durchgehendes Relining wirtschaftlich unverhältnismäßig. Mit einem Reparaturpacker und unserem Glasfaser-Harz-System wird nur die Schadstelle versiegelt, was bis zu 75 % der Gesamtkosten spart.

Harze und Fasermaterialien: Die Wahl des passenden Verbundsystems

Die statische Tragfähigkeit und Chemikalienbeständigkeit des sanierten Rohres hängen von der Harzmatrix und den Trägerfasern ab:

  • Silikatharze (Organomineralisch): Bestehen aus Wasserglas und Polyisocyanat. Sie zeichnen sich durch geringe Exothermie, minimale Schrumpfung (<0,5%<0,5\%) und hohe Feuchtigkeitsverträglichkeit aus. Im feuchten Erdreich härten sie bei 12°C bis 20°C in 60 bis 120 Minuten zuverlässig aus.

  • Epoxidharzsysteme: Aminhärtende 2K-Epoxidharze bieten herausragende Chemikalienresistenz und hohe Biegemodule (>2.800 MPa>2.800\text{ MPa} gemäß ASTM F1216). Sie sind geruchs- und emissionsarm (VOC-frei) und ideal für Fallstränge in Gebäuden.

  • E-CR-Glasfaserkomplexe: Für Kurzliner werden richtungsorientierte Glasfasergewebe eingesetzt. Gegenüber reinem Filz erzielt Glasfaser bei geringerer Wanddicke (3 bis 5 mm) eine extrem hohe Ringsteifigkeit, wodurch der Rohrquerschnitt maximal erhalten bleibt.

Bögen und Umlenkungen: Sanierung in 45-Grad- und 90-Grad-Bögen

Grundstücksentwässerungsleitungen weisen häufig 45°- und 90°-Bögen auf, die besondere Anforderungen an das Sanierungsequipment stellen:

  • Flexible Sanierungspacker: Starre Metallpacker klemmen in Bögen fest. Reliance fertigt flexible Gummipacker mit konischen Aluminium-Endkappen, die 90°-Bögen in DN100-Rohren reibungslos durchfahren.

  • Hochflexible Bogenschläuche: Bei kontinuierlichem Schlauchlining durch mehrere Bögen kommen rundgewebte Dehnschläuche zum Einsatz, die sich im Außenradius dehnen und innen faltenarm stauchen.

  • Grenzen des Verfahrens: Scharfkantige 90°-T-Abzweige (Sanitary Tees) können nicht grabenlos durchfahren werden. Hier muss der Zugang unterhalb des Abzweigs gewählt werden.

Die 4 Phasen einer normgerechten Schlauchlining-Sanierung

Eine professionelle grabenlose Kanalsanierung folgt einem strengen vierstufigen Prozessablauf:

Vier technische Phasen des grabenlosen Schlauchlinings: Vorbereitung & TV-Inspektion, Tränkung, Aushärtung unter Druck und Endabnahme.
Die vier Phasen des grabenlosen Schlauchlinings: 1. Mechanische Fräsung & TV-Inspektion; 2. Kalibrierte Harzimprägnierung; 3. Packer-Positionierung & pneumatischer Haltedruck (1,5–2,5 bar); 4. Entlüftung, Rückzug und TV-Abnahme.
  1. Mechanische Reinigung & TV-Inspektion: Kettenschleudern fräsen Kalk, Inkrustationen und Wurzeln ab. Eine Vorab-Kamerabefahrung nach WRc-Richtlinien erfasst Rohrdurchmesser, Schadenslage und Einläufe.

  2. Kalibrierte Harzimprägnierung: Harz und Härter werden grammgenau abgewogen. Das Harz wird unter Vakuum mittels Kalibrierwalzen blasenfrei in die Glasfaser- oder Filzmatrix eingearbeitet.

  3. Positionierung & Druckaushärtung: Der getränkte Kurzliner wird auf dem Packer montiert, an die Schadstelle geschoben und mit 1,5 bis 2,5 bar an die Wandung gepresst, bis die chemische Reaktion abgeschlossen ist.

  4. Entlüftung & TV-Schlussabnahme: Nach dem Aushärten wird der Packer entlüftet und herausgezogen. Eine abschließende Kamerabefahrung dokumentiert den glatten Übergang und die einwandfreie Durchgängigkeit.

Erforderliche Projektdaten für Werkzeug- und Materialanfragen

Vor der Bestellung von Packern oder Harzkomponenten sollten folgende Parameter ermittelt werden:

  • Exakter Rohrinnendurchmesser: Nennweite und gemessener Ist-Durchmesser (z. B. DN100 Guss vs. PVC).

  • Schadensposition & Ausdehnung: Abstand ab Revisionsöffnung und Gesamtlänge des Risses.

  • Leitungsgeometrie: Anzahl und Winkel der Bögen (45° oder 90°) auf dem Weg zur Schadstelle.

  • Untergrundtemperatur: Die Rohrtemperatur bestimmt Topfzeit und Aushärteverhalten des Harzes.

Für technische Unterstützung bei der Auswahl passender Packer und Harzsysteme konsultieren Sie unseren Leitfaden Partielle Reparatur vs. CIPP-Schlauchlining oder nutzen Sie unser technisches Anfrageportal.

FAQ: Häufige Fragen zum grabenlosen Schlauchlining

Kann grabenloses Schlauchlining Abflussrohre mit 90-Grad-Bögen sanieren?

Ja, vorausgesetzt, es handelt sich um strömungsgünstige Langradienbögen und nicht um scharfkantige T-Stücke. Fachbetriebe setzen hochflexible Sanierungspacker oder dehnfähige Textilschläuche ein, die sich ohne faltenbildende Querschnittsverengung anlegen.

Wie lange dauert die Aushärtung eines Schlauchliners?

Umgebungshärtende Silikat- und Epoxidharze härten bei typischen Bodentemperaturen (15°C bis 20°C) in 60 bis 180 Minuten vollständig aus. Thermisch unterstützte Verfahren mit Heißwasser, Dampf oder UV-Licht erreichen die Endfestigkeit in 45 bis 90 Minuten.

Verringert das Schlauchlining die Abflusskapazität des Rohres?

Obwohl der Rohrinnendurchmesser durch die 3 mm bis 6 mm starke Wandung um ca. 5 % bis 10 % sinkt, ist die glasierte Harzoberfläche extrem glatt. Der reduzierte Manning-Rauheitsbeiwert (n≈0,009n \approx 0,009 statt n≈0,013n \approx 0,013–0,0150,015 bei Altrohren) gleicht den Querschnittsverlust durch höhere Fließgeschwindigkeit voll aus.

Kann ein eingestürztes Rohr oder ein Rohr mit Wassersack saniert werden?

Nein. Schlauchlining erfordert eine geometrisch stabile Rohrführung. Bei Querschnittsverformungen über 10 % oder Gefälleverlusten mit stehendem Wasser (Wassersack) bildet der Liner die Delle exakt nach. Solche Schäden erfordern einen punktuellen offenen Aushub.

Referenzen und Quelldokumente

  1. YouTube-Erklärvideo: Was ist grabenlose Rohrinnensanierung? Ein neues Rohr im alten Rohr

  2. Reliance-Videoseite: Video und Transkript zur grabenlosen Rohrinnensanierung

  3. ASTM F1216: Standardpraxis für die grabenlose Rohrsanierung mittels invertiertem Schlauchlining, DOI: 10.1520/F1216-22

  4. ASTM F2019: Standardpraxis für das Einziehen von harzimprägnierten Glasfaserschläuchen, DOI: 10.1520/F2019_F2019M-20

  5. NASSCO — Rohrrehabilitation: CIPP-Schlauchlining, partielle Kurzliner und Hausanschlussanbindung

  6. US EPA — Abwassertechnisches Merkblatt: Sanierung mittels Schlauchlining (CIPP), EPA 832-F-01-026

  7. WRc — Drain Repair Book & Richtlinien für das Risikomanagement kleiner Rohrdurchmesser

Weiterführende Informationen

Artikel