Schachtsanierung

Mörtelpumpen-Datentabellen P60/120 und P90/160 verstehen

Technischer Leitfaden zu P60/120 und P90/160 Mörtelpumpen: Förderleistung, Leitungsdruck, Förderhöhe und Generatorleistung vergleichen.

Von Reliance Trenchless Technology4 Min. Lesezeit

Reliance modulares Schacht-Mörtelspritzpumpen- und Zwangsmischersystem auf Baustellengestell.
Reliance modulares Schacht-Mörtelspritzpumpen- und Zwangsmischersystem auf Baustellengestell.

Bei der Auswahl von Ausrüstung für die grabenlose Schachtsanierung treffen Auftragnehmer in Produkttabellen häufig auf Bezeichnungen wie „P60/120“ und „P90/160“. Werden diese Kennzahlen falsch interpretiert, drohen auf der Baustelle gravierende Störungen: Eine unterdimensionierte Pumpe führt in tiefen Fallschächten zu Leitungsstopfern und festsitzenden Rotoren, während ein überdimensioniertes Aggregat Baustellengeneratoren überlasten und übermäßigen Mörtelrückprall verursachen kann.

Das Reliance Mörtelspritzsystem nutzt robuste Exzenterschneckenpumpen, die speziell für den Transport hochdichter, faserarmierter thixotroper Mörtel von der Mischstation an der Oberfläche hinab in unterirdische Schachtbauwerke ausgelegt sind. Wie in unserem Praxisvideo im Reliance Schacht-Mörtelspritzsystem YouTube-Beitrag gezeigt, saniert dieses automatisierte System kreisrunde und quadratische Schächte von 600 mm bis 1800 mm Durchmesser grabenlos und ohne Schachtbegehung. Das genaue Verständnis der Spezifikationstabellen für P60/120 und P90/160 stellt sicher, dass Fördermenge, Leitungsdruck und Generatorleistung exakt auf die Schachttiefe und Materialrheologie abgestimmt sind.

Typenbezeichnung entschlüsseln: P60/120 vs. P90/160

In der professionellen Mörtelfördertechnik stehen die Modellbezeichnungen für zwei mechanische Kernparameter:

Vergleich der Systemarchitektur zwischen den Mörtelpumpen P60/120 und P90/160 mit Prozessablauf.
Systemarchitektur P60/120 vs. P90/160: Die P60/120 liefert 60 l/min bei 120 bar Druckstufe für Standardschächte; die 11-kW-P90/160 bietet 90 l/min bei 160 bar für tiefe Schächte (>15 m) und hochviskose Mörtel.
  1. Erste Zahl (Nennförderleistung in l/min):

- P60: Liefert bis zu 60 Liter pro Minute (3,6 m³/h) angemischten Mörtel unter drucklosen Prüfstandbedingungen. - P90: Liefert bis zu 90 Liter pro Minute (5,4 m³/h) – ein Plus von 50 % Förderleistung für große Schachtdurchmesser oder dicke mehrlagige Strukturbeschichtungen.

  1. Zweite Zahl (Druckstufe in bar):

- 120: Bezeichnet einen maximalen Betriebs- bzw. Berstdruck von 120 bar für die Rotor/Stator-Baugruppe und Druckanschlüsse. - 160: Bezeichnet eine hochbelastbare Druckstufe von 160 bar mit verstärkter Statorvulkanisierung, ausgelegt zur Überwindung hoher geodätischer Förderhöhen und starker Wandreibung.

Pumpen- und Mischerspezifikationen sauber trennen

Ein häufiger Fehler bei der Prüfung technischer Datenblätter ist die Gleichsetzung des Mischerantriebs mit der Motorleistung der Exzenterschneckenpumpe:

  • Kontinuierlicher Zwangsmischer: Arbeitet mit drehmomentstarken Planetenmischflügeln, um Polymerzusätze aufzuschließen und eine homogene, klumpenfreie thixotrope Paste herzustellen. Die Motorleistung liegt typischerweise bei 4,0 kW bis 5,5 kW.

  • Exzenterschnecken-Rotor/Stator-Antrieb: Nutzt einen frequenzgeregelten Drehstromantrieb zur stufenlosen Regulierung des Fördervolumens. Die P60/120 arbeitet mit einem 5,5 kW bis 7,5 kW Hauptmotor, während die P90/160 einen schweren 11,0 kW Motor erfordert, um dichte Suspensionen gegen hohen Gegendruck zu fördern.

  • Gesamte Generatorauslegung: Gemäß den Richtlinien des American Concrete Institute ACI 506R verlangen induktive Anlaufströme von Elektromotoren eine Auslegung mobiler Baustellengeneratoren auf mindestens das 2,5-Fache der kVA-Dauerleistung. Eine vollständige P60-Anlage benötigt einen Generator mit mindestens 25–30 kVA, während für eine P90-Anlage ein dreiphasiger 40–50-kVA-Stromerzeuger erforderlich ist.

Hydraulische Reibungsverluste vs. vertikale Schachttiefe

Die tatsächliche Fördermenge am Sprühkopf weicht stets von der Nennförderleistung der Pumpe ab. Die Mörteldichte (~2,0 bis 2,2 kg/l) und die strukturviskose Fließgrenze erzeugen mit zunehmender Schachttiefe erhebliche Strömungswiderstände.

Hydraulische Druckkurven zum Vergleich von statischer Steighöhe und Schlauchreibungswiderstand für DN25 und DN38.
Hydraulische Pumpwiderstandskurven: Der Gesamtförderdruck setzt sich aus statischem Mörteldruck (~0,21 bar/m) und dynamischem Reibungswiderstand zusammen. Zu enge Förderschläuche erhöhen den Leitungsdruck drastisch.

Nach den technischen Standards der NASSCO für Schachtsanierung berechnet sich der gesamte Förderdruck aus zwei Hauptkomponenten:

ΔP_total = ρ · g · H + ΔP_friction

  1. Statischer hydrostatischer Druck: Bei dichtem Strukturmörtel (ρ ≈ 2.150 kg/m³) erzeugen je 10 Meter Schachttiefe zusätzliche 2,11 bar reinen statischen Gegendruck.

  2. Dynamische Wandreibung im Schlauch: Der Reibungswiderstand im Förderschlauch verhält sich umgekehrt proportional zum Innendurchmesser. Wie die hydraulischen Kennlinien zeigen:

- DN25-Schlauch (1 Zoll): Führt zu einem steilen Druckanstieg (> 1,2 bar/m Schlauchlänge). Bei 20 Metern vertikalem Gefälle und 15 Metern oberirdischer Schlauchführung übersteigt allein der Reibungsverlust 45 bar; dies bringt die P60 an ihre Belastungsgrenze und begünstigt ein Ansteifen des Mörtels im Schlauch. - DN38- oder DN50-Schlauch (1,5 bis 2 Zoll): Reduziert den Reibungsdruckverlust drastisch (< 0,35 bar/m), sodass das P90/160-System Strukturmörtel mühelos in 30 Meter tiefe Schächte fördern kann.

Entscheidungsmatrix: Welche Pumpenkonfiguration wählen?

Nutzen Sie vor der Beschaffung oder Baustellenmobilisierung die folgenden Auslegungsgrenzen:

ProjektparameterP60 / 120 KonfigurationP90 / 160 Konfiguration
Typische SchachttiefeBis zu 10–12 Meter12 bis über 35 Meter
SchachtinnendurchmesserØ 600 mm bis 1.200 mmØ 1.000 mm bis 2.500 mm
Typische Schichtdicke10 mm bis 25 mm pro Durchgang25 mm bis über 50 mm Strukturschicht
FörderschlauchdurchmesserDN25 / DN32 mmDN38 / DN50 mm
Baustellen-Strombedarf3-Phasen 380V/400V, ~25 kVA3-Phasen 380V/400V, ~45 kVA
Mobilität des SystemsKompakter Skid / anhängertauglichSchwerer LKW-Aufbau

Gemäß den Sicherheitsrichtlinien der britischen HSE PUWER müssen Hochdruck-Mörtelpumpsysteme mit zertifizierten Berstscheiben oder elektronischen Überdruckabschaltungen ausgerüstet sein, um Schlauchplatzer bei versehentlichen Düsenverstopfungen zu verhindern.

Vor der Bestellung zu klärende Daten

Damit Mörtelpumpe und Sprühkopf exakt auf Ihre Baustoffe und Schachtgeometrien abgestimmt werden können, sollten folgende Daten vorliegen:

  • Technisches Datenblatt des Mörtelherstellers (TDS): Maximale Korngröße der Gesteinskörnung (≤ 2,0 mm für P60; ≤ 4,0 mm für P90), Wasser-Zement-Wert und Verarbeitungszeit.

  • Maximale Schachttiefe: Höhendifferenz von Geländeoberkante bis Schachtsohle an den tiefsten Bauwerken.

  • Verfügbare Baustelleninfrastruktur: Anschluss an das dreiphasige Stromnetz oder Einsatz mobiler Dieselgeneratoren.

Informieren Sie sich in der Reliance Mörtelspritzsystem Broschüre, lesen Sie unseren Leitfaden für Schachtsanierungs-Pumpen, Mischer und Spritzköpfe oder senden Sie uns Ihre Projektanforderungen über das Anfrageformular für Mörtelspritzsysteme.

Referenzen und Quelldokumente

  1. Reliance YouTube — Schacht-Mörtelspritzsystem: 600–1800 mm Schächte grabenlos von innen sanieren

  2. NASSCO — Richtlinien zur Schachtsanierung mit zentrifugal aufgetragenem Beton

  3. ACI 506R-16: Leitfaden für Spritzbeton und Exzenterschneckenpumpen für Zementmörtel

  4. UK HSE — PUWER-Sicherheitsrichtlinien für Hochdruck-Mörtelpumpen

  5. Reliance Mörtelspritzsystem Broschüre — Exzenterschnecken-Rotor/Stator-Daten und Antriebsspezifikationen

Weiterführende Informationen

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